Important Notice: this service will be discontinued by the end of 2024 because for multiple years now, Plume is no longer under active/continuous development. Sadly each time there was hope, active development came to a stop again. Please consider using our Writefreely instance instead.

Meine Ernährung hat keinen Namen

Wenn Essen zur Religion wird...

Ich verfolge - wohl wie viele andere auch - schon seit vielen Jahren das Thema Ernährung. Und mir fielen da über die Jahre einige “Besonderheiten” auf.



Speziell wenn die Ernährung einen Namen bekommt, wirds schwierig. Sowohl beim Essen als auch beim Diskutieren. Sobald die Ernährungsform einen Namen hat, gibts “Richtig” und “Falsch” und ein Sendungsbewusstsein… aber wenig Interesse, sich die Fakten nüchterner anzusehen…



Nehmen wir als Beispiel Gluten. Gluten ist so ziemlich das Schlimmste, was ein Mensch essen kann. Es tötet augenblicklich - schon beim Gedanken daran - wenn man den Glutenophobikern Glauben schenken möchte. Alles wo Gluten drin ist, MUSST DU MEIDEN, sonst stirbst du.


Ja. Eh. Wenn du Zöiakie hast, was aber nur 0,2% der Bevölkerung haben, weil da in unserer Menschwerdungsgeschichte die meisten mit dieser genetischen Veränderung schon vor dem Reproduktionsalter verstorben sind… ihre Gene also nicht weitergeben konnten.



Alle anderen sollen beobachten, ob und und welcher Menge Gluten welche Probleme auslöst und dann darauf reagieren.



Und dann gibts die Gläubigen. Amen.


Die essen dann nur mehr Dinkel, weil Dinkel ist eine “alte Getreidesorte” und nicht so “überzüchtet” wie moderner Weizen. Dabei hängt der Glutenanteil im Weizen aber fast nur vom Standort und Wetter/Niederschlag ab und Dinkel hat natürlicherweise mehr Gluten in sich als Weizen… Bringt man’s zur Sprache, ist der Weizen immer noch böse, weil dann sinds irgendwelche anderen, nicht näher bestimmbare Überzüchtungsmerkmale im Weizen, der ja “industriell” ist… Und Dinkel ist “natürlich” also gut.



Übrigens… der vegane Seitan-Burger ist großartig. Hast du den schon probiert?


(Spezi, Seitan ist PURES Gluten… falls du diese Tatsache doch nicht ignorieren möchtest).




Glutamat ist ebenfalls böse. So böse, dass es die Chinesenmafia zur Reduktion der “Europäischen Rasse” (die Anführungszeichen werden hoffentlich korrekt verstanden) einsetzt. Je mehr Fische im Aquarium beim Chinesen ums Eck, umso stärker wird der erpresst, Glutamat ins Essen zu mischen, damit wir krepieren.



Und wenn man aus Marketing-Gründen nicht mehr Glutamat draufschreiben möchte, schreibt man eben “Hefeextrakt” oder “Hefeflocken” drauf. Oder “Extrakt aus getrockneten Tomaten”. Nur der Auskenner weiß das zu deuten und vermeidet diese Produkte… da diese auch nix anderes als das BÖSE Glutamat sind.


… würzt dann aber frisch-fröhlich-frohlockend seinen geschmacksarmen Papp mit Bio-Hefeflocken oder setzt im “Burgls Gemüpsesuppenpulver” zu… weil das ist ja Bio-Glutamat und kein Industriell hergestelltes…



Nichtsahnend dass Glutamat/Umami wohl bloß ein basaler Geschmacksstoff wie salzig, süß, bitter oder sauer ist. Und wenn du darauf schlecht reagierst, dann wahrscheinlich auf den hohen Histamingehalt “gereifter” Lebensmittel… die mit dem natürlichen Vorkommen von Glutamat einhergehen… Lass mal die Bananen oder Nüsse vorher weg, dann vertragst du wahrscheinlich das “Glutamat” auch besser.



Und Fleisch… ja, das ist böse. Dafür sterben Tiere. Milch ist auch böse. Methan und Wasser und CO2… Da mach ich mir doch glatt eine Mandelmilch aus kalifornischen Mandeln auf. Die werden nämlich ohne hiesiges Wasser gezüchtet und per Niedrigenergiebeamen nach Europa befördert.


Na im Ernst… ja für Fleisch sterben Tiere. Und wir züchten diese dafür.


Keine Frage… Massentierhaltung ist wirklich ein Übel. Ein großes Übel. Ein SEHR großes Übel und der Auswuchs des Kapitalismus in einer seiner grauslichsten Spielarten.



Lassen wir die Massentieraltung aus unserem System bitte weg.



Dann hätten die Bergbauern wieder ein Einkommen und unsere schönen Almen wären auch wieder da. In so großen Höhen wie auf den Hochalmen wächst Gras und Kräuter und sonst nicht recht viel, was der Mensch essen könnte… Kühe können dieses Gras in hochwertige Milch und Fleisch verwandeln… Gleiches gilt für Steppenländer und Savannen… Ohne dieser Massentierhaltung gibts auch weniger Tierleid (ja, die müssen immer noch getötet werden für mein Schnitzel), weniger Ackerfläche für Futter für Hochleistungsrinder… dafür können Flächen für Milch- und Fleischproduktion genutzt werden, die sonst eben nicht dafür genutzt werden können… und hübsch aussehen und ökologisch wertvoll sind diese Flächen dann sogar auch noch.



Also Milch- und Fleischkonsum grundsätzlich zu verteufeln und das Klima oder die Ernährungssituation als Aufhänger dafür undifferenziert zu missbrauchen… ist irgendwie keine “gute Idee”. Außer man hat Sendungsbewusstsein und reichlich undifferenzierte aber in Summe wenig Nachdenkbereichtschaft.



Ja… Billigfleisch ist nicht der Burner… in keiner Hinsicht. Es schadet dem Tier und der Umwelt ganz kräftig und macht die Menschen auch noch krank. Aber Billigfleisch ist nicht alles Fleisch…



Ich bin alt genug, um von “Wir essen öfter die Woche Fleisch” über “vegetarisch sollte man mehr essen” bis hin zu “Vegan ist überhaupt das beste” die Entwicklung live miterlebt zu haben. Und mir fällt bei der Beobachtung der sendungsbewussten Apostel eines auf:


Der christliche Glaube ist im Rückzug begriffen. Aber offenbar neigt der Mensch dazu sich mit Leiden und Kasteien für seinen Genuss Strafe zu erwarten. Da Gott aber aus dem Leben schwindet sucht man sich andere Wege, doch wieder begründet kasteien zu können. Man lässt Fleisch weg. Wegen der armen Tiere. Lustigerweise kam mit dem massenhaften Trend der Vegetarier auch das Billigfleisch immer mehr in die Supermärkte und auf die Teller des Rests.


Man sucht weitere Begründungen. Und tadaaa, es sind die tierischen Eiweise gefunden. Also auch kein Ei, keinen Honig… und dann auch der Fisch… und die Hühnerfarmen wurden immer mehr, wo Tiere in KZ gehalten werden, für das tägliche Frühstücksei…. nein. DAS ist ja vom Freilufthuhn… das Ei für die industrielle Lebensmittelproduktion kommt heute mehr denn je aus dem Hühner-KZ. Also muss das Ei weg. Auch das Brot. Weil da ist ja Ei drin. Und natürlich der böse Weizen. Also bäckt man Brotersatz und redet sich ein, es schmecke gut. Genauso wie der Wurstersatz, der Fleischersatz am Grill und Teller…



Soja! Ha. Nein. da sind doch diese Hormonähnlichen Stoffe drin. Na, dann Lupinien. Pflanzen die man schwerst industriell bearbeiten muss, damit sie überhaupt genießbar für den Menschen werden… Aber DA ist industrielles Zeugs ja voll ok… nur industrieller Weizen oder Brot oder Zucker ist schlecht.



Analogkäse… ein billigster Käseersatz aus gestocktem Fett und irgend einem Zeugs… zuerst der Aufreger auf der Pizza, wie uns die Industrie mit so einem Dreck vergiften will… kaum schreibt man vegan drauf, ist es wohlschmeckend und eine großartige Alternative zu Käse aus echter Milch. Ja meine lieben, ich habs mir gemerkt, wie die selben die heute “veganen Käse” in den Himmel loben, ein paar Jahre zuvor “Analogkäse” samt ihren Herstellern zum Teufel jagen wollten… Es ist immer noch billigster Dreck aus Abfall-Fetten… Oder sterben sogar Gorillas dafür aus? (Palmöl!!!)



Und ja… Massentierhaltung darf wirklich weg. Die ist grausam, grauslich, zerstört unseren Planeten, bringt unendlich viel Leid für die Tiere dort und macht den Menschen auf Dauer auch krank…



Paläo-Ernährung und No-Carb/Low-Carb auf der anderen Seite… genauso verrückt und religiös… Jedes Gramm Zucker ist des Teufels, jedes Bröserl Kohlenhydrat ein Fluch der Veganermafia… machen wir uns doch gleich wie die Steinzeitmenschen ein Schälchen Tee… mhm… wie haben die das eigentlich gemacht?



Aber ansonsten tät ich - auf welche absurde Hoffung auch immer aufbauend - schon ein bisserl auf Vernunft beim Thema Ernährung hoffen. Und verdammt noch mal… gebt eurer Ernährung keinen Namen.